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Mein geliebter Vater PDF Drucken E-Mail
Lichtopfer

17. März 2008

Zhichen Bairo Rinpoche, PlourayMein Vater, Zhichen Bairo Rinpoche,ist wirklich ein sehr wichtiger und gut bekannter Meister der Nyingma Kathog Tradition. Er ist das Oberhaupt des Zhichen Kharmar Sangag Tangye Ling in Gulok, eines der Hauptzweige von Kathog Dorje Dan in Osttibet, das eine eigene Gruppe von 20 Zweigklöstern in der Region hat. Viele Leute erzählten mir, dass mein Vater viele Wunder vollbrachte, als er in Osttibet war. Er hinterließ dort seine Fußabdrücke, Handabdrücke und mehrere Stöcke in verschiedenen Felsen. Wie ein schelmisches Kind machte er dies alles mit einer Menge Spaß, aber ich glaube, dass er insgeheim viel Segen hinterließ, bevor er nach Indien ging.

Mein Vater wollte mich niemals in irgendein Kloster weggeben, da er wußte, dass das Leben eines Tulku sehr hart sein muß. Schade nur, dass meine Geburt öffentlich angekündigt wurde an dem heiligen 10. Tag, wo so viele Leute um jene großen Meister wie der König der Tertöns, Seine Heiligkeit, der vorherige Dudjom Rinpoche und viele andere, versammelt waren. Jeder spürte, dass ein SOhn meines Vaters zweifellos ein besonderer sein mußte, jene, die mich aber seit langem kennen, denken sicher, dass die Leute einen falschen Fehler machten, so zu denken. Ein großer Vater muss nicht unbedingt einen großen Sohn haben.

Daher versuchten schließlich viele Klöster, mich als ihren Tulku zu erkennen und meine Eltern mußten von diesen verschiedenen Klöstern davonlaufen. Meine Eltern taten ihr Bestes, mich vor vielen Leuten zu verbergen, aber offensichtlich gelang es ihnen nicht und meine Gesprächigkeit und zu viel Angeberei in der Kindheit brachten mich jetzt in diese stressige Position. Natürlich sollte ich mich nicht beklagen, da ich große Eltern habe, die mich moralisch und materiell unterstützt haben. Insofern hatte ich großes Glück.

Mein Vater, Bairo RinpocheIch bin froh, jetzt gerade etwas Zeit mit meinen Eltern verbringen zu können. Worüber ich nicht sehr glücklich bin, ist, meinen Vater alt werden zu sehen. Ich weiss, dass dies die Natur des Lebens ist, auch für mich. Aber trotzdem fällt es mir recht schwer, dies zu akzeptieren. Mein Vater war bis vor Kurzem so aktiv und glücklich, aber es ging ihm nicht gut, und das bringt ihn moralisch herunter, da er oft spürt, dass er sein Leben nicht mehr so nutzen kann, andere Wesen und die Menschen um ihn zu fördern, speziell mich, seinen geliebten Sohn. Im Vergleich zu ihm bin ich wirklich so faul und doof. Selbst jetzt ist er so aktiv, voller Leben und Humor. Ich bin genau das Gegenteil. Er ist optimistisch, ich bin pessimistisch. Er ist so großgewachsen, ich so klein. Aber wir lieben uns innig.

Ihr könnt euch einfach nicht vorstellen, wie schwierig es für die Drukpa Linie war, als ich in mein Kloster nach Darjeeling zurückgebracht wurde. Mein früherer Guru, Thuksey Rinpoche, hatte ein kleines Stück Land von einer Teeplantage gekauft, um unsere kleine Gemeinde, die aus Tibet kam, wieder anzusiedeln. Wie ihr wisst, die Linie ist wahrlich eine Linie von Yogis. Daher kann ich sagen, dass viele der Meister und ihr Gefolge, die nach Indien herauskamen, materiell unvorbereitet waren. Es war sehr schwer, aber ich habe große Erinnerungen an meinen geliebten Guru und die Gemeinde, die finanziell sehr arm, aber spirituell extrem reich war.

Mein Vater in HemisMein Vater war zu jener Zeit bereits ein angesehener Meister, der in Bhutan lehrte und persönlicher Meister der damaligen Königinmutter war. Er hatte viele Ressourcen. Als er nach mir, seinem armen Sohn, schaute, konnte er nicht anders, als herüberzukommen, um mir zu helfen. Er gab mir mein erstes Auto, als ich kaum 13 Jahre alt war. Er gab mir Taschengeld, sodass ich mir keine Sorgen machen musste, und ich war sogar in der Lage, unser Kloster ein wenig zu unterstützen. Später, als ich dann einige Jahre lang in Ladakh bleiben musste, folgte mir mein Vater dorthin und aus seiner bedingungslosen Liebe für mich heraus, übernahm er die Stellung des Managers des Hemis Klosters. Wenn ich daran denke, empfinde ich Schande, da ich meinen Vater von seiner eigenen Linie abzog, und er gab mir die goldenen Jahre seines Lebens als Manager von Hemis! Ich fühlte mich immer schuldig, die Liebe meines Vaters misbraucht zu haben. Ohne ihn hätte unsere Drukpa Linie viele Klöster an andere aggressive Organisationen verloren, wegen Geldknappheit und Naivität. Einige Male nahm mein Vater eine Lastwagenladung voller Hemis Mönche, um Klöster für die Linie zurückzugewinnen. Er tat dies nicht aus Devotion für die Drukpa Linie, sondern aus Liebe zu mir. Ich merke wirklich, wie glücklich ich bin, sein einziger Sohn zu sein, und wie unglücklich er sein muss, mich als Sohn zu haben.

Bairo LingDie Idee, das Zhichen Bairo Ling Kloster in Kathmandu zu bauen, kam nie von meinem Vater. Wer ihn gut genug kennt, weiss, dass mein Vater eine so bescheidene und liebe Person ist, der keinerlei egoistischen Ambitionen hat. Ich spürte, dass ich ihm und seiner Linie viel verdanke, da ich ihn so lange bei mir behielt. Daher ermutigte ich ihn, ein Kloster für seine Linie in Kathmandu zu bauen, damit er seine wunderbare Weisheit, Mitgefühl und Liebe im Namen seiner eigenen Linie verbreiten könnte.Bairo Ling innen

Wie ihr wisst, hat mein Vater aktiv sein Hauptkloster in Osttibet restauriert. Ich habe auch meine Freunde und Schüler gebeten, ihm zu helfen. Viele meiner Leute hatten sicher viele Fragen im Kopf, wie "warum hilft er seinem Vater, ein Projekt einer anderen Linie wieder aufzubauen? Er braucht doch eine Menge Geld für seine eigenen Projekte und eine Menge Unterstützung für seine eigene Linie?" Nun, ich muss euch sagen, dass ich selbst und die spirituelle Linie, der ich vorstehe, meinem Vater eine Menge verdankt. Ich möchte nicht weiter darüber reden, da es zu schmerzhaft für mich ist, an die Zeit und Energie zu denken, die mein Vater darauf verwandte, mir und der Drukpa Linie zu helfen. Er tat es im Stillen und aufrichtig, wegen seiner bedingungslosen Liebe für einen unfähigen Sohn, wie mich.

12.Drukpa, 36.Bairo RinpocheMein Vater und ich erfreuen uns einer wunderbaren Beziehung. Er erzählt mir immer, wie klein ich als Baby war, da ich einen Monat früher auf die Welt kam, als erwartet. Wenn ich daran jetzt denke, war es vielleicht eine falsche Entscheidung, mitten in einer so grossen Menge auf dieser Welt zu erscheinen. Mein Vater erzählt, dass ich als so kleines Baby in seiner grossen Handfläche saß, ihn anlachte und mit ihm spielte.

mit NilaIch war kein gesundes Baby. Aber ich war selbst als Baby offensichtlich sehr gesprächig und bossig. Ungefähr ein Jahr, bevor ich erkannt wurde, hatte ich einen Hirnschlag, der mich gelähmt hatte. Mein Vater und mein Onkel gingen auf Retreats und nahmen mich überallhin mit auf Pilgerreisen, um meine Hindernisse und negativen Energien, die meine Gesundheit beeinträchtigten, zu reinigen. Ich erinnere mich ganz klar, dass eines Tages bei der Swayambhunath Stupa, während mein Vater die Stupa umrundete, und ich am Strassenrand gelassen wurde und Würmer aufsammelte und ins Gras setzte, damit niemand auf sie treten würde, ich glaubte, meinen Vater mich rufen zu hören. Ich bin damals auf wundersame Weise aufgestanden und auf meinen Vater zugegangen. Davor war ich gelähmt und unfähig, zu gehen; ich saß nur auf dem Boden und rettete Würmer und Insekten, während die anderen alle die Stupa umrundeten. Ich kann mich noch erinnern, wie mein Vater so glücklich war. Ich glaube, die Liebe meines Vaters zu mir hat mir all die Krankheiten und Missgeschicke abgenommen, die mein Leben so miserabel und vielleicht so kurz gemacht haben könnten. Wegen der Liebe und des Segens meines Vaters musste ich niemals krabbeln, ich stand nur auf und ging. Das ist sehr erstaunlich für ein gelähmtes Kind, nicht wahr?

Meine Gurus fragten mich immer: "Dein Vater ist ein so grosser Tertön. Du musst ja so viele grosse Lehren von ihm erhalten haben." Ich wusste nie, dass er ein grosser Tertön war, er war mir ein Vater, niemals ein Tertön. Vor über 10 Jahren ging ich mit meinem Vater und einigen Freunden auf eine kurze Pilgerreise zu Chakrasamvara´s heiligem Ort. Ich sah mit eigenen Augen, wie mein Vater eine Buddha Statue aus einem Felsen herausholte. Erst dann glaubte ich, dass mein geliebter Vater wirklich ein Tertön ist. Dies bringt mich dazu, ein wenig über seine 36. Reinkarnation zu erzählen. Warum bin ich erst in meiner 12. und er schon in seiner 36. Reinkarnation? Bei mir erst mal, da war eine Lücke von 200 Jahren zwischen der ersten und zweiten Reinkarnation. Ich denke, der 1. Drukpa hatte Verpflichtungen an anderen Orten, daher konnte er erst viel später zurückkommen. Und zweitens lebten die meisten Gyalwang Drukpas 40 bis 50 Jahre lang. Die vorherigen Reinkarnationen meines Vaters dagegen lebten nur sehr kurz. Mir wurde gesagt, dass sie in diese Welt kamen, um einige geheime Termas zu enthüllen und danach sind sie wieder gegangen. Im gegenwärtigen Leben meines Vaters versprach er einem seiner Diener in Osttibet versehentlich, lange zu leben. So ist er gegenwärtig der am längsten lebende Bairo Rinpoche, aber wir alle wollen, dass er noch viele Jahre weiterlebt, nicht wahr?

amitabhaDer Hauptwunsch meines Vaters jetzt ist, das Zhichen Kloster noch in diesem Jahr fertigzustellen, genauer gesagt, das Zhichen Kharmar Sangag Tangye Ling in Gulok. Ich spüre auch, dass mein Vater zutiefst bedauert, dass er nicht in der Lage ist, die Renovierung dieses Klosters fertigzustellen, und ich denke, das ist jetzt besonders meine Verantwortung, dies für ihn zu vollenden. Ich weiss nicht, ob dies möglich sein wird, da ich selbst keine Mittel habe, ausser herumzugehen und meine Freunde und Schüler an verschiedenen Orten zu bitten. Ich wünsche mir sehr, dass der unfertige Teil des Klosters meines Vaters noch in diesem Jahr fertiggestellt werden kann, damit er es persönlich einweihen und segnen kann, bevor es für ihn schwierig wird, zu reisen. Ich fühle mich irgendwie in seiner Schuld, dies zu ermöglichen. Nun, wir werden sehen, was passiert.

Es tut mir leid für die, die all meine langen Ausführungen übersetzen müssen. Ich möchte wirklich allen Übersetzern und Webmastern der Websites in den verschiedenen Sprachen danken. Ich weiss nicht, ob jemand meine Botschaften in anderen Sprachen liest, oder nicht; aber wer sie auch liest, bete ich dafür, dass mithilfe der Verbindungen, die durch die modernen Technologien aufgebaut werden können, Friede, Harmonie, Liebe, Freundlichkeit und Verständnis vorherrschen möge in dieser entscheidenden Zeit von Problemen, Schwierigkeiten und Verwirrungen. Es gibt wirklich eine Menge schlechter Nachrichten und Gewalt in dieser Welt. Lasst uns bedingungslos für alle Wesen beten, ohne Ausnahme, mögen sie frei sein vom Leiden, frei von Schmerz und Gewalt, vom Blutvergiessen und von Wut und Ärger, von Furcht und Eifersucht. Möge das Glück, der Friede und die Liebe bald wieder zurückkommen. Dies kommt aus der Tiefe meines Herzens.

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