drukpa.info

Auf Reise PDF Drucken E-Mail

zu Lama Chokyi Sengey´s Haus

17. Januar 2008

Gyalwang Drukpa in GenfIch hoffe, die Leute werden nicht müde, zu viele Neuigkeiten, zu viele Updates auf meiner Web-Site zu lesen. Ich bin manchmal in der Stimmung zu schreiben und zu teilen, vor allem, wenn ich etwas Zeit habe. Ich bin gerade auf dem Weg von Grenoble zu Lama Chokyi Sengeys Haus. Lama Chokyi ist ein sehr alter Freund von mir, ich mag ihn sehr, und wie Lama Namgyal war er ein phantastischer französischer Übersetzer für mich. Ohne Lama Namgyal und ihn hätten viele französisch Sprechende meine Geschichten nicht so toll verstanden.

Gyalwang Drukpa in GrenobleIch sagte einigen meiner Freunde und Schüler, dass 2-3 Stunden Schlaf pro Tag eigentlich für jeden genug ist. Manchmal schlafe ich gar nicht. Je weniger du schläfst, desto länger lebst du. Das bedeutet, du hast mehr Zeit zum Praktizieren, wohltätig zu wirken, hinauszugehen, andern zu helfen, für LIVE TO LOVE, anstatt deine Zeit mit träumen, schlafen oder nur mit "Aushängen" zu vergeuden. Einige Ärzte rieten mir und sagen mir noch immer, "du brauchst 6-8 Stunden Schlaf pro Tag." Ich war total geschockt und bin noch immer schockiert, dass ein menschliches Wesen so viele Stunden Schlaf braucht, fast ein Drittel des Lebens vergeudet. Je mehr du schläfst, desto schläfriger wirst du. Am Besten ist es, ihr schlaft ab 10 oder spätestens 12 Uhr abends, steht dann um 3 Uhr morgens auf, jeden Tag. Ihr werdet euch so frisch fühlen, energiereich und voller Achtsamkeit. Vertraut mir, ich denke, ich bin qualifiziert, dies zu sagen.

Drukpa KlinikteamIch erinnere mich, dass ich ganz kurz etwas über meine Reise nach Genf gesagt habe. Ich möchte dem nur noch etwas hinzufügen, für die, die nicht gelangweilt sind von meinen Erzählungen. Ich möchte Marie Jose und ihrem Team danken, die geholfen haben, das Krankenhaus für die armen Leute im nepalesischen Himalaya zu bauen, als Teil der LIVE TO LOVE Aktivitäten. Ich bin wirklich sehr glücklich, zu sehen, wie sich Leute um mich herum mit Willenskraft, Inspiration und sehr guten Herzen in solchen Aktivitäten engagieren.

Wenn das Krankenhausgebäude fertig sein wird, brauchen wir eine Menge unterschiedlicher Hilfen für alle Einrichtungen, wie z.B. medizinische Ausrüstung, Medikamente und natürlich Ärzte verschiedener Fachrichtungen. Ich weiss, dass es viele Leute aus den unterschiedlichsten Teilen dieser Welt geben wird, die diese Welt zu einem glücklicheren und besseren Platz für andere machen wollen und zusammenkommen werden, um diesem Hospital zu helfen.

Vielleicht habe ich den falschen Eindruck erweckt, dass ich Einkaufen liebe. Tatsächlich mag ich, verschiedene Dinge zu sehen, speziell das Verhalten unterschiedlicher Leute auf den Strassen, in den Läden und Parks zu beobachten. Vielleicht hat mich Drubpön Ngawang deshalb, wie meistens,  dazu gezwungen, in Genf einige hübsche Uhren anzuschauen, obwohl ich überhaupt nicht den Wunsch habe, eine zu kaufen. Hübsche Dinge zu sehen ist auch gut genug für mich, ich muss sie nicht besitzen. Immer wenn ich an Drubpön Ngawang, an Khenrab (sicher kennt ihr alle Drubpön Ngawang´s Neffen), Ngawang Sangpo (meinen Koch), Ngawang Tobden (meinen Sekretär) und so viele andere Helfer und Diener, die immer mit mir gehen, denke, dann danke ich wirklich meinen Gurus und meinem Karma, die mir all diese phantastischen Leute, die mein Leben viel einfacher machen, beschert haben. Es ist sehr schade, dass Lama Sangpo mich dieses mal nicht begleiten konnte. Sein Bruder starb vor kurzem und ich hoffe, dass er mit dem Verlust seines geliebten Familienangehörigen gut zurecht kommt. All diese Mönche, Nonnen und meine anderen Leute arbeiten wirklich so hart, um mein Leben sorglos zu machen. Ich habe nie die Gelegenheit, ihnen zu danken und manchmal denke ich, dass ich alles zu selbstverständlich nehme (ich bin auch ein Mensch), deshalb möchte ich DANKE sagen an Drubpön Ngawang, Khenrab, Sangpo, Ngawang Tobden (auch "Tiripa" genannt) und an andere, die wahrhaft in verschiedener Form Teil meiner erweiterten Familie geworden sind.

Natürlich möchte ich meinen Schülern und Freunden danken, die wirklich sehr hart arbeiten, um meine Wünsche zu erfüllen und manchmal sogar meine Interessen über ihre eigenen stellen. Sie helfen meiner endlosen Liste an Projekten und der Projekte meiner Kollegen und allen Arten von Bitten, die ich habe. Ich hoffe, dass ich nicht zu fordernd für jedermann war. Falls doch, so lasst es mich wissen, damit ich mich bremsen kann.

Ich weiss, ich bin eine sehr launische Person, leicht enttäuscht. Noch nicht so lange her, dachte ich sogar daran, "zusammenzupacken" und woanders hin zu gehen, da ich keinen guten Grund sah, der gerechtfertigt hätte, hier zu bleiben. Jetzt nehme ich es etwas leichter mit mir selbst und anderen. Ich weiss, dass die Welt nicht perfekt ist und dass die Leute um mich herum wirklich versuchen, ihr Bestes zu geben, mein Leben einfacher zu machen, obwohl es so viele Beschränkungen gibt. Wir leben nicht im Reinen Land und natürlich gibt es Probleme. Was ich aber gar nicht aushalte, ist, wenn ich an einen Ort komme und alles vermasselt wird, weil Leute anfangen, um meine Aufmerksamkeit zu kämpfen; dann denke ich, ich hätte besser nicht kommen sollen. In meiner Abwesenheit sind die Leute sehr friedlich und nett miteinander. Wenn ich komme, verursache ich Probleme. Wie würdet ihr euch in meiner Position fühlen? Ich spüre wirklich, dass ich in die Höhle gehöre, wenn so etwas passiert. Oder wenn meine Anwesenheit Negatives bewirkt, dann gehöre ich nicht in diese Welt, oder nicht?

Kürzlich fragte mich jemand, "wie kann ich dein Schüler (Jünger) werden?" Jünger (disciple) ist für mich eine grosse Sache. Viele wissen inzwischen, dass ich manchmal Leute als meine Freunde, meine Schüler und manchmal als meine Jünger vorstelle. Da ich etwas Zeit habe, möchte ich euch ein wenig über jemanden erzählen, den ich als einen meiner 5 Laienjünger betrachte, wenn ich das so sagen darf. Er ist die Nummer 2. Jeder weiss, dass es sehr schwierig ist, die Nummer 1 zu sein. Seit vielleicht über 30 Jahren nimmt sich Helga jedes Jahr Zeit, ins Höhlenretreat zu gehen, manchmal 6 Monate, manchmal 3 Monate am Stück, seit sie mich als ihren Guru genommen hat. Wie viele Leute können so etwas tun? Ich weiss es nicht. Sie ist jetzt über 60 Jahre alt, aber sie ist immernoch die junge, energetische, gebildete deutsche Frau, die ich kennenlernte, als ich noch sehr jung war.

Jetzt komme ich zur Nummer 2. Er hat mich eigentlich mit einem älteren Rinpoche verwechselt, als er mich vor über 20 Jahren besuchte. Aus Versehen, oder besser aufgrund seines Karma, ging er zum Kloster neben dem Kloster, zu dem er eigentlich gehen wollte. Ich erinnere mich sehr gut, dass er sehr lange Haare hatte, und er hatte sogar eine Freundin und eine Gitarre bei sich, als wir uns trafen. Aus einem merkwürdigen Grund blieb er bei mir hängen und jedes Jahr kam er wieder zu mir, nachdem er einen Ngöndro Durchgang vollendet hatte und er hatte jedes mal kürzeres Haar. Ich denke, er hat mindestens 4 oder 5 Ngöndro Durchgeänge in den ersten Jahren unserer Bekanntschaft vollendet, und ich schickte ihn zurück auf die Universität, um Arzt zu werden, gegen seinen Willen, mein Mönch zu werden.

Jigme SengeJetzt hat er kaum noch Haare, nicht, weil er Mönch wäre, sondern wegen seinem weltlichen Stress. Ich möchte ihn daran erinnern, wie glücklich er war, als er mich fand. Ich möchte, dass er weiss: obwohl Samsara Leiden ist, werde ich mein Bestes tun, damit er versteht, dass alles Leiden im Samsara nichts ist im Vergleich zu der wunderbaren Gelegenheit, das wahre Dharma praktizieren zu dürfen, sodass eines Tages oder in einem künftigen Leben er definitiv frei sein wird.

Ich weiss, dass er manchmal spürt, dass ich wegen meiner Aktivitäten und dem vollen Terminkalender sehr weit weg bin. So möchte ich doch, dass Senge weiss, dass ich der Anwesenheit und Liebe zu mir jedes Freundes, Schülers oder Jüngers, der mit echter Motivation zum Wohle anderer praktiziert, vollständig bewusst bin. Ich werde mich um sie kümmern, ganz egal, was kommt. Ich habe den Jahrestag seiner Zuflucht zu mir nicht vergessen, obwohl ich nicht gerne grosses Aufsehen um solche Dinge mache. Ich möchte, dass er weiss, dass ich oft so stolz bin, dass ich jemanden wie ihn getroffen habe, der ohne seinen Geist oder sein Herz zu verändern über 20 Jahre lang meinen Anweisungen manchmal mit Schwierigkeiten und manchmal leicht gefolgt ist.