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Mein Vater PDF Drucken E-Mail

mein VaterMein geliebter Vater ist gewöhnlich als Zhichen Bairochana bekannt. Heutzutage nennen ihn die Leute Bairo Rinpoche, die 36. Inkarnation von Lotsawa Vairochana. Lotsawa Vairochana war ein berühmter, erleuchteter Übersetzer und er machte mithilfe seiner erleuchteten Fähigkeiten alle Dharma Lehren der drei verschiedenen Yanas (Fahrzeuge) in Tibet verfügbar, indem er sie ins Tibetische übersetzte. Der Hauptsitz oder das Kloster meines Vaters ist Zhichen Kharmar Sangag Tangye Ling in Gulok, einer der Hauptzweige der Kathog Dorje Dhan in Osttibet. Die Zhichen Gruppe hat über 20 Zweigklöster in dieser Gegend. 

Mein Vater ging Anfang 1958 aus seinem Gebiet Gulok in Osttibet heraus, ohne anderen Leuten die Wahrheit zu sagen, wo er hinging, da die Leute nicht wollten, dass er sie verliess. Aber mein Vater sagte, er konnte vorhersehen, dass es nicht viel Sinn machte, sich weiterhin um die Klosterangelegenheiten und Leute damals in Tibet zu kümmern.  Deshalb nahm er sich die Freiheit und machte sich auf die Reise über Lhasa und von Lhodrak im Süden Tibets, wo meine Mutter herkommt, an die bhutanesische Grenze hinunter.  Sie trafen sich dort zum ersten Mal, als meine Mutter 19 Jahre alt war und sie trafen sich 3 Jahre danach wieder an einem heiligen Platz von Guru Padmasambhava namens Beyul (verstecktes Tal) an der tibetisch bhutanesischen Grenze. Dort waren sie einige Jahre lang im Retreat. Meine Geburt ereignete sich auf ihrer Pilgerreise in Indien.

Mein Vater, eine grossee Stütze in meinem LebenMein Vater ist ein spiritueller Meister für die, die ihn als Führung auf ihrem spirituellen Lebenspfad brauchen. Für mich war es ein riesiges Geschenk, sein einziger Sohn zu sein. Ich liebe ihn nicht nur in seiner Rolle als Vater, sondern auch als Gefährt für jeden Moment meines Lebens. Ich habe mich in meinem Leben nie einsam gefühlt, obwohl ich in meinen jungen Jahren durch eine Menge Schwierigkeiten gehen musste; jetzt verstehe ich, dass er mir die Kraft gab, all die schwierigen Perioden zu überstehen. Ich glaube nicht, dass sich irgendjemand von uns einen besseren Vater vorstellen könnte, als er zu mir war! Als Kind kam er mir mit einer Menge attraktiver Spielsachen, die er selbst erfunden hatte, aus Teilen kaputter Uhren, Radios, Kasettenrekorder usw. Die kommerziellen Spielzeuge mochte ich nie. Ich fand die selbst gemachten Spielsachen viel interessanter, als die teuren elektronischen Spielzeuge. Als ich etwas älter war, hatte er unendliche Energie und Geduld zum Spielen und hinter Fussbällen, Federbällen, Frisbies und dergleichen stundenlang hinterher zu rennen. Ich erinnere mich auch, wie er eine ungefähr 1 km lange kurvige Strasse den großen Hügel neben unserem Haus hinauf baute und mich auf einem Dreirad den ganzen Tag lang rauf und runter schob, wobei er vorgab, hoch zu gehen, um meine Eltern zu sehen und mit ihnen herunter wieder heim zu gehen, wo ich war. Selbst an Regentagen hat er nicht aufgehört, mich so zu unterhalten. Es schien ihm viel schwerer zu fallen, mich auf dem klitschigen und matschigen Weg zu schieben, deshalb hob er mich mitsamt dem Dreirad von hinten hoch und nahm mich in seinen Armen auf denselben Weg, imaginäre Hügel rauf und runter, wobei er viel Krach machte, um einen Allrad Jeep zu imitieren, der sich einen steilen Geländehügel hinauf kämpfte. Nachdem ich mehr Mann wurde, liebte ich immer die Pferde und er fing mir oft wilde, streunende Pferde von den Bergen, um sie zu sehen und zu berühren und manchmal setzte er mich sogar auf ihren Rücken, wenn sie nicht zu gross und wild waren. Letztendlich kaufte er mir eines zum Reiten. Mein Vater gab mir nahezu alles, was ich in dieser Welt wollen kann. Es ist solch eine Ehre, nicht nur einen heiligen, sondern auch einen liebenden Vater wie ihn zu haben und ich fühle michnoch geehrter und zufriedener, jetzt festzustellen, was für ein netter Vater er ist.

Jamyang Khyentse Chokyi Lodro erkannte meinen Vater mit acht Jahren als Reinkarnation von Vairotsana. Mein Vater lebte und wurde in seinem Hauptsitz im Kloster Zhichen Kharmar Sangag Tengye Ling in Gulok, Osttibet, ausgebildet. Ich denke, er hatte eine sehr harte Erziehung in seiner Kindheit, was ich von einigen seiner Unterhaltungen, wie auch von anderen Quellen zusammen getragen habe. Weder seine Eltern, noch andere Familienangehörige begleiteten ihn in seiner Kindheit von der Zeit an, wo er als kleine Reinkarnation nach Gulok geschickt wurde. Tatsächlich habe ich ihn nie ein einziges negatives Wort der Kritik sagen hören über andere, wie sie ihn behandelten. Er sagt auch nicht viele gute Dinge über andere; ich vermute, er kümmert sich nicht so sehr darum, wie wir es tun. Wir sollten uns jedoch daran erinnern, dass diese Dinge ein Wesen wie ihn nicht so leicht berühren, weil sie schon lange bevor sie sich entscheiden, Wiedergeburt in dieser Welt zum Wohle anderer anzunehmen, darauf gut vorbereitet sind.Dennoch fühle ich als sein Sohn immer noch Mitleid mit ihm, obwohl ich jetzt nichts mehr für ihn machen kann. Ausserdem habe ich zusammen getragen, obwohl er nie über seine harte Kindheit erzählte und auch nicht über seine glücklichen späteren Tage, dass sein Leben später mit der moralischen Unterstützung meiner Mutter und ihrer wahren Liebe zueinander sehr mit Freude und Friede ausgefüllt war. Ich danke immer meiner Mutter vom Grund meines Herzens, dass sie so echt liebend und verständnisvoll zum Wohle unserer Familie war. Ich sollte die Anerkennung auch auf meinen Vater ausdehnen, dass er dies anerkannte und wertschätzte. Was für eine grosse Ergänzung sind doch die beiden! Besonder schätze ich das tiefe Wissen meines Vaters, zwischen einem glücklichen und einem elenden Leben zu unterscheiden. Nicht wie viele von uns, die hinter verschiedenen Attraktionen her rennen und dann im Schlamassel hängen bleiben. Er weiss, wo er die Grenzen ziehen muss, um allen unnötigen Fallen der Verführung in dieser Welt zu entgehen. Ich denke, das ist eine der vielen grossen Methoden die er anwendet, um unsere Familie und alle um uns herum in einem Super Glück und Friede zu bewahren. Obwohl er als Oberhaupt einer wichtigen Linie mit über 20 Klöstern mit tausenden von Familien und Mönchen bekannt ist, zieht mein Vater ein einfaches und bescheidenes Leben vor, ohne all die Bande der Anhaftung, die normalerweise mit solchen Vereinigungen und Organisationen unterschiedlicher Rassen, Schulen und Linien verbunden sind. Er sagt, von diesen Beweggründen eingefangen zu werden, würde möglicherweise das eigene Leben und das anderer elend machen. "Das ist nur die Ursache negativer Ansammlung. Warum sich darum kümmern? Besser nach seinem eigenen Geschäft zu schauen.", sagt er.

Vater und ichMein Vater sorgt sich nie um seinen Ruhm. Die oberste Priorität ist ihm immer, eine angenehme Umgebung für uns alle zu schaffen und zu versuchen, sie nicht durch unnötige Bedingungen korrumpieren zu lassen. Daher sehen wir ihn nie über sein eigenes Wissen reden. Tatsächlich wird er dir andeuten, dass er nichts weiss! Als Beispiel aus seinen jüngeren Tagen in Tibet, hinterliess mein Vater, nachdem er seine gründliche Ausbildung beendet hatte, als Zeichen seiner Realisierung mehrere Hand und Fussabdrücke in Felsen, die noch bis heute sichtbar sind und als Objekt der Ehrerbietung für ergebene Pilger bleiben. Selbst ich als sein Sohn hörte bis heute nie ein Wort von ihm über diese Dinge. Ich bin sehr versucht, etwas von ihm über sein göttliches Wissen zu erfahren, wie er jene phantastischen Zeichnungen und Handabdrücke in die Felsen machte, aber meine Mutter warnte mich wiederholt, ihn nicht direkt zu fragen, da er verärgert werden könnte, da er dies geheim halten wollte. Ich verstehe warum, weil wie die wenigsten von uns, will er nicht angeben und vom Ruhm gefangen werden. Nicht nur das, vielleicht ist es in unserer Zeit und unserem Zeitalter noch nicht dafür bestimmt, erwähnt zu werden und für Leute wie mich soll er nur als wunderbarer, liebender Vater gesehen werden. Ich selbst würde mich auch nicht so wohl fühlen, ihn nach diesen Dingen zu fragen, da er so warm und menschlich zu mir ist. Daher habe ich nicht das Durchhaltevermögen, ihn direkt zu fragen.

Aufgrund seiner göttlichen Verwirklichung und seines Mitgefühls sind alle, die meinen Vater treffen und Belehrungen von ihm erhalten, immer spirituell ermutigt und zielgerichtet motiviert für das Wohl jedes Wesens zu arbeiten. Dafür bewundere ich ihn wirklich und habe ihn kürzlich gebeten, mehr Belehrungen zu geben für jene Mönche, Nonnen und Anhänger von den verschiedensten Orten der Welt. Er sagte nichts, sondern lachte nur. Irgendwann einmal sagte mir meine Mutter, dass er sagte, Belehrungen geben zu wollen, da ich ihn darum gebeten hätte. Wahrlich, heute stellt er sich zur Verfügung, etwa einen Monat pro Jahr Kommentare über verschiedene Lehren des spirituellen Pfades in seinem eigenen neuen Sitz (Zhichen Bairo Ling) in Kathmandu zu geben. Es tut mir sehr leid, ihn nicht gefragt zu haben, während der früheren Jahre zu lehren. Wie schade! Keiner von uns hat je daran gedacht, ihn zu bitten, Belehrungen über die Erleuchtung zu geben. Stattdessen benutzten ihn viele von uns dazu, Uhren, Kasettenrecorder, Radios und eine Menge anderen Junk zu reparieren, da er fast jede manuelle Maschine reparieren kann. Ich erinnere mich, dass mein Vater einmal sehr interessiert war, Filme zu entwickeln. Er hatte viele dieser Entwicklungsmaschinen zum Spielen. Offensichtlich gefiel den Leuten die Idee, jemanden zu haben, der den Job umsonst machen würde. Jeden Tag hatte er etwas zu tun. Meiner Mutter gefiel es nicht, ihn im grellen Sonnenlicht mit einer Lupe arbeiten zu sehen, wie er da saß und mehrere Stunden in die Maschine glotzte, jeden Tag. Sie dachte, das könnte seine Sehfähigkeit und die Energiezirkulation in seinem Körper beeinflussen. Daher bat sie ihn, diese Dinge nicht mehr zu tun. Wer meinen Vater kennt, würde wissen, dass er normalerweise sein Lieblingshobby niemals aufgeben würde; da er aber wußte, dass diese Bitte aus echter Liebe und Fürsorge von meiner Mutter kam, hat er sein Hobby innerhalb eines Monats aufgegeben. Seither habe ich diese Maschinen überhaupt nicht mehr gesehen. Ich würde gerne wissen, was aus ihnen geworden ist! Vielleicht sind sie kaputt gegangen nach Jahren der Nichtbenutzung durch die Feuchtigkeit in dem Himalaya Tal.

Nun gut, es gibt noch viel zu schreiben, aber für jetzt ist das alles.

Tschüss !